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Neue Jobs für Ex-Minister! Ein Seitenwechsel in die freie Wirtschaft?

Alexandra Franz, Bochum, als Headhunterin im Interview mit Westpol

Unsere Partnerin Alexandra Franz aus Bochum wurde von dem politischen Fernsehmagazin Westpol des WDR, im Rahmen eines Beitrages zum Thema „Neue Jobs für Ex-Minister“ interviewt. Anlass waren die aktuellen Wechsel von Barbara Steffens und Garrelt Duin in die freie Wirtschaft.

Hier einige Auszüge aus dem Interview und eine kurze inhaltliche Zusammenfassung des Beitrages:

WESTPOL: Frau Franz, sind Politiker interessant für die Wirtschaft?

Diese wirklich spannende aber auch heikle Frage muss aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden:

Der gemeinnützige Verein LobbyControl, der „über Lobbyismus in Deutschland und Machtstrukturen in Deutschland und in der EU aufklärt“ betrachtet einen Wechsel von einem Politiker in die Wirtschaft äußerst kritisch und fordert, die Drehtür zwischen Politik und Wirtschaft zu blockieren. Der sogenannte Drehtüreffekt beschreibt einen schnellen Wechsel zwischen zwei Zuständen und ist in dieser Thematik ein häufiges und  typisches Phänomen für den Lobbyismus. Politiker und hochrangige Mitarbeiter in Ministerien wechseln die Seite des Verhandlungstisches und werden in Bereichen tätig, für die sie zuvor in ihrer politischen Funktion auch zuständig waren.

Um hier nachhaltige Interessenskonflikte zu vermeiden, fordert LobbyControl eine Nachbesserung des Karenzzeitgesetzes (2015) vor, das ein 12 bzw. 18 monatiges Wechselverbot für Minister und Staatssekretäre vorsieht und plädiert deshalb für eine längere  „Abkühlzeit“ von 3 Jahren.

Welches Unternehmen kann es sich prinzipiell erlauben, einen Ex-Politiker einzustellen?

Sicher sind das nicht die klassischen Mittelständler. Wir sprechen hier eher von Konzernen und Unternehmensverbänden, sowie Krankenkassen, die sich einen Lobbyisten leisten können, wollen und/oder müssen. Insbesondere vertiefte Branchenkenntnisse, ein gepflegtes Netzwerk und ein unbezahlbares Insiderwissen bzgl. politischer Entscheidungswege können wichtige Grundlagen für unternehmensstrategische langfristige Entscheidungen liefern.

Welche Branchen betrifft dies besonders?

Gerade politisch geprägte Branchen, wie z.B. die (Kern-)Energie, das Gesundheitswesen und der Automotive-Bereich profitieren von diesem Knowhow. Wenn sie dann einen Politiker gewinnen und ihn in eine strategische Position platzieren, engagieren sie meistens einen frustrationstoleranten, hoch kommunikativen, stark leidensfähigen und sehr professionellen Netzwerker, der sich in einem interessanten Gehaltsniveau neu entfalten kann. Wahrscheinlich weniger geeignet sind hier Platzierungen in Positionen mit einem starken operativen Anteil. Diese hohe Taktstärke und tägliche Messbarkeit der Leistungen sind Politiker nicht gewohnt. Da oft auch der passende Ausbildungshintergrund bzw. die richtige Studienrichtung fehlt, sind sie in solchen Positionen oft als klassische Quereinsteiger zu betrachten und hätten tatkräftige Unterstützung nötig. Es gehört jedoch Erfahrung dazu, Bilanzen richtig zu interpretieren und entsprechende Rückschlüsse zu ziehen. Und es ist allgemein betrachtend ein großer Unterschied, einen Beamten zu motivieren, oder einen Abteilungsleiter zu führen, der auf seine variablen Gehaltsanteile schielt.

Alles in allem also eine Win-Win-Situation?

Bei strikter Einhaltung der Karenzzeiten, ähnlich einer Wettbewerbsklausel in der freien Marktwirtschaft mit meistens maximal  24 Monaten und einer gut funktionierenden Compliance-Abteilung? Warum nicht?

Wenn von echten Verlierern gesprochen wird, dann sind das wahrscheinlich eher die kleinen und mittelständischen Unternehmen – oder vielleicht auch nicht? Mittlerweile gibt es auch einige Politiker, die weniger erfolgreich durch die Drehtür gegangen sind …


Der gesamte etwa 5-minütige Fernsehbeitrag zum Thema „Neue Jobs für Ex-Minister“ wurde am 25.02.2018 im WDR-Fernsehen ausgestrahlt und kann über die WDR-Mediathek nachträglich angeschaut werden.


 

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